LAX - 26. Dezember 1998

Nach 6 Monaten Portland bzw. nach einer Woche USA ist L.A. ein echter Schocker. Schon beim Anflug auf den riesigen Flughafen
inmitten dieser riesigen Metropole wird einem bewußt, welche gigantischen Ausmaße diese Stadt hat. Unser Flugzeug war ca.
Nummer 20 in einer schier endlos scheinenden Schlange von Fluggeräten, die nacheinander dieselbe Landebahn ansteuerten.
Nach der Landung schnappten wir unsere unzählbar vielen Koffer und fuhren mit dem Schattelbus direkt zum Autoverleih,
wo ich im voraus gebucht hatte. Eigentlich dachte ich, daß ich keine Verständigungsschwierigkeiten mehr haben
sollte. Da hatte ich mich aber geirrt, denn anscheinend wäre ein Spanischkurs als Vorbereitung wesentlich sinnvoller
gewesen als 6 Monate USA. Irgendwann bekam ich dann den Wagen, den ich gebucht hatte. Er war groß, aber nicht
groß genug für all unser Gepäck. Deshalb mußten wir auf ein größeres Fahrzeug wechseln. Schließlich hatten wir dann
einen weißen Chevrolet Lumina, der eigentlich viel zu groß für uns war.
Da wir im voraus keine Unterkunft gebucht hatten, riefen wir ein paar Motels an, die in unserem AAA-Führer
aufgelistet waren. Wir mußten allerdings sehr schnell feststellen, daß es um diese Jahreszeit kein Problem
ist, kurzfristig ein gutes und günstiges Motelzimmer zu bekommen. Hilfreich sind dabei die Bonushefte, die
an den verschiedensten Touristinformationen ausliegen. Sie helfen bei der Orientierung und bieten gleichzeitig
Vergüstigungen an.
Unsere erste Fahrt ging an den Strand von Santa Monica, wo wir den wunderschönen Sonnenuntergang genossen.
Anschließend fuhren wir nach Downtown L.A. (wenn es soetwas überhaupt gibt), wo unser Motel war.
Die Gegend war nicht die beste, so daß uns etwas unwohl war. Da wir aber sehr erschöpft waren,
war uns das egal. Nach einem mäßig schlechten Burger bei Jack-In-A-Box beendeten wir den Abend.
Am nächsten Tag fuhren wir auf dem I-5 in Richtung Norden, um diese Stadt möglichst schnell hinter uns zu lassen.
Unser Ziel war der Yosemite National Park. Wenn man die endlose Strecke mit der wenig abwechslungsreichen
Landschaft zum ersten Mal fährt, ist es noch erträglich. Mittags hielten wir in der Kalifornischen Wüste,
um schnell etwas zu essen. Wieder waren wir in einer von Portland und L.A. völlig unterschiedlichen Gegend.
Es war nicht das Kalifornien, das man aus den Hollywood-Filmen kennt. Es war eher wie in Mexiko, auch wenn
ich das eigentlich selbst nicht beurteilen kann, da ich noch nie dort gewesen bin.
Yosemite - 28. Dezember 1998

Leider hatten wir nicht genug Zeit, um uns länger aufzuhalten. Wir wollten weiter, um uns die riesigen
Mammutbäume anzuschauen. Nach längerer Fahrt erreichten wir kurz vor dem Ausgang des Parks einen
Parkplatz, von dem wir noch eine gute halbe Stunde den Berg auf einer vereisten Straße hinunterrutschen
mußten. Dann sahen wir sie aber, die Sequoias. Vereinzelt stehen sie am Wegrand. Ihre Rinde ist so weich,
daß man richtig Angst bekommt, man könne sie umwerfen. Da diese Bäume nicht nur hoch, sondern auch sehr
breit sind, wirken sie auf einem Bild nicht ganz so imposant. Würde sich aber ein Mensch der Länge nach
auf dem Boden hinlegen, so wäre der Baum immer noch breiter. Wir waren jedenfalls wahnsinnig beeindruckt.
Da wir an diesem Tag noch möglichst weit in Richtung San Francisco kommen wollten, fuhren wir bis in die
Nacht hinein. Als wir schließlich völlig erschöpft waren, hielten wir in Stockton an, um ein Quartier zu
suchen. Entweder lag es an unserer Stimmung oder daran, daß alles sehr finster war, aber auf jeden Fall
hatten wir den Eindruck, daß Stockton einer der schmutzigsten und schlechtesten Plätze zum Übernachten
ist. Wir entschieden uns für ein "indisches" Motel, in dem es fürchterlich streng nach selsamen Gewürzen
roch. Da wir aber viel zu erschöpft waren, um uns weiter Sorgen zu machen, war uns das egal.
Honolulu - 3. bis 4. Januar 1999

Urlaub im Urlaub! Nach einigen Stunden Flug landeten wir mitten im Pazifik auf einer kleinen Insel,
über die wir schon so viel gehört hatten. Wir hatten noch die Bilder von Hula-Mädchen, Palmen und
weißen Sandstränden im Kopf, als wir uns niesend in einem Bus auf einem Highway zwischen hohen
Wolkenkratzern auf dem Weg in unser Hotel befanden. Auf die Orchideenketten, die uns mit einem
lauten "Aloha" auf dem Flughafen überreicht wurden, waren wir beide höllisch allergisch. Soviel
zunächst zum Paradies.
Als wir dann aber aus dem Fenster unseres Hotelzimmers schauten, wußten wir, daß wir tatsächlich
auf einer der bezauberndsten Inseln der Welt gelandet waren. Wir genossen die eine Nacht am Waikiki-Strand,
denn Morgen ging es weiter nach Big Island, der größten und noch natürlichsten Insel Hawaiis.
Hawaii - 4. bis 12. Januar 1999

Nach einem kurzen Flug landeten wir auf Big Island, der Insel mit den aktiven Vulkanen, die im Gegensatz
zu den anderen Inseln Hawaiis nicht ein paar Millionen Jahre, sondern nur ca. 700.000 Jahre alt ist.
Der Flughafen besteht aus mehreren kleinen Hütten ohne geschlossene Wände, Fenster oder Türen. Warum
auch? Es regnet ja fast nie. Mit unserem Pick-Up Mietwagen fuhren wir zum Hotel. Eine halbe Stunde lang
sahen wir nur schwarze, erstarrte Lava. Das Paradies war tot. Kurz vor der Einfahrt ins Hotel, wo u.a.
die Golfanlagen waren, erstrahlte die Landschaft in einem fast unnatürlichen Grün, das aufgrund der
Bewässerungsanlagen aus dem Boden spries.

Die Hotelanlage lies keinen Wunsch offen und speziell der hoteleigene Strand war ein Traum.
Der Blick vom Hotel auf den Strand war nur durch einige Palmen unterbrochen, die meistens
im Wind rauschten und damit das Geräusch des Meeres übertönten. Die Sonne schien kräftig,
aber die Lufttemperatur und -feuchtigkeit waren absolut erträglich. So wie das dort aufgrund
der Äquatornähe das ganze Jahr über der Fall ist.

Das Meer schimmerte blaugrün und lud zum Baden geradezu ein. Es gab die verschiedensten
Schwimm- und Sportgeräte zum Leihen und sogar Whale-Watching Touren wurden angeboten.
Die anderen etwas nördlicher gelegenen Hotels hatten oft keinen Strand. Insofern ist
das Hotel "The Royal Waikoloan", in dem wir übernachteten, ein echter Geheimtip.
Was man auf den Bildern nicht erkennt: Der Sand besteht nur zu 50 Prozent aus hellen
Sandkörnern. Die andere Hälfte besteht aus schwarzen Lavasandkörnern. Nur durch die
starke Sonne wirkt der Sandstrand so hell.

Dreht man sich um 180°, so entdeckt man den Mauna Kea mit den weltbekannten Sternenobservatorien.
Die mehr als 4000 m Höhenunterschied nimmt man kaum wahr, da es sich bei den hawaiianischen
Vulkanen meist um s.g. Schildvulkane handelt. Dort oben kann man übrigens auch Skifahren.
Die Höhe des Berges ist auch der Grund, warum diese westliche Seite der Insel so extrem trocken
ist.
Bei mehreren Ausflügen rund um die Insel mußten wir feststellen, daß Hawaii wirklich ein kleines
Paradies ist. Etwas weiter im Norden befindet sich u.a. die größte Ranch Amerikas. Dort gleicht
die Vegetation derjenigen des Allgäus. Etwas weiter im Osten, auf der anderen Seite des Mauna Kea,
befindet sich echter Regenwald. Auf der Fahrt nach Süden kommt man zunächst an den großen
Kaffeeplantagen vorbei und schließlich landet man im Gebiet der aktiven Vulkane.

Das war unser Ziel. Einmal glühende Lava sehen. Auf Hawaii sind die Vulkane relativ "zahm", so daß
bei den vielen Besuchern verhältnismäßig wenig passiert. Ungefährlich ist es aber auf keinen Fall,
was wir noch am eigenen Leib erfahren sollten. Aber zunächst besichtigten wir die im Augenblick
erloschenen Krater und informierten uns über die Geschichte des Mauna Loa. Schließlich brachen
wir auf zur Lavawanderung.
Als man nicht mehr weiterfahren konnte, schnappten wir uns etwas Wasser, eine Taschenlampe und
glücklicher Weise auch einen kleinen GPS-Empfänger.
Der Weg über die endlos scheinenden Lavafelder, die sich teilweise
meterhoch über einem auftürmten, war nur spärlich markiert. Mehrere Male waren wir dran und drauf
umzukehren. Doch immer das Ziel in den Augen, liefen wir weiter, Schritt für Schritt in Richtung
des Aufsteigenden Wasserdampfes. Dort floß die Lava ins Meer. Zwischenzeitlich dachte ich, es finge
an zu regnen. Das war ein Irrtum. Vielmehr verloren wir unser Wasser, das wir für den Rückweg
aufgehoben hatten. Auf der schwarzen Lava war es auf Dauer unerträglich heiß. Kurz vor Einbruch der
Dunkelheit erreichten wir aber dennoch das Ziel.

Und es hatte sich gelohnt. Zischend strömte die Lava ins mehr. Immer wieder kam es zu kleinen
Explosionen. Als das Staunen der nachten Tatsache wich, daß wir jetzt wieder zurücklaufen
mußten, brachen wir auf. Es war dunkel, der Boden war dunkel und Markierungen hatten wir
schon lange keine mehr gesehen. Die drei einzigen Orientierungspunkte waren das rauschende
Meer, das man immer dann besonders laut hörte, wenn man zu nahe an den steilen Abhang des
Cliffs herantrat, ein immer wieder blinkendes Licht in der Ferne, das uns bei der Orientierung
half, jedoch nicht unser Ziel war und das kleine GPS-Gerät, das uns auf ca. hundert Meter
genau denselben Weg zurückführte, den wir zuvor in die andere Richtung gegangen waren.
Schließlich erreichten wir und einige andere Wanderer, die wir zwischenzeitlich aufgesammelt hatten,
völlig erschöpft unsere Autos. Aber es hatte sich dennoch gelohnt!
Big Island ist eine wunderschöne Insel voller Gegensätze. Giftige oder gefährliche Tiere gibt es nicht,
die Gewalt der Natur ist sichtbar, gleichzeitig aber auch ganz zahm, der Tourismus kann sich nur unter
strengen Auflagen langsam ausbreiten und die einheimische
Kultur der Hawaiianer (und damit meine ich nicht McDonalds etc.) erlebt ein großes Comeback.
Wer mehr über Urlaub auf Hawaii erfahren möchte, kann sich den etwas ausführlicheren Reisebericht unter
http://home.san.rr.com/caspers/hawaii.html
anschauen.